Jörg Kriegsmann: Was zwischen Tablette und Wirkung passiert

Article author: neotes Editorial Team Article published at: Nov 4, 2026
Künstlerisches Symbolbild zur Pharmakogenetik: eine weiße Tablette neben einer gläsernen DNA-Doppelhelix

Eine Tablette lässt sich milligrammgenau beschreiben. Der Mensch, der sie einnimmt, bringt deutlich mehr mit. Mit Prof. Dr. med. Dr. phil. Jörg Kriegsmann begrüßt neotes ein neues Mitglied im wissenschaftlichen Beirat, das sich mit diesen individuellen Unterschieden beschäftigt.

Auf einer Medikamentenpackung ist alles ordentlich geregelt: Name, Wirkstoff, Wirkstärke. Im Körper wird die Sache persönlicher.

Denn dort trifft das Präparat auf einen Menschen mit einem bestimmten Stoffwechsel, möglicherweise weiteren Medikamenten und einer eigenen genetischen Ausstattung. Deshalb kann dieselbe Tablette bei zwei Menschen unterschiedlich wirken.

Ein Teil der Erklärung steckt in winzigen Varianten unseres Erbguts. Sie können beeinflussen, wie der Körper Arzneimittel verarbeitet oder transportiert. Die Pharmakogenetik untersucht diese Zusammenhänge. Bei bestimmten Kombinationen aus Gen und Wirkstoff können die Erkenntnisse für eine ärztliche Behandlung relevant sein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA dokumentiert solche Zusammenhänge.

Für Jörg Kriegsmann gehören molekulare Unterschiede seit vielen Jahren zum Arbeitsgebiet. Der Facharzt für Pathologie beschäftigt sich mit Informationen, die sich erst bei einem sehr genauen Blick auf Gewebe, Zellen und genetische Varianten erschließen.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Jörg Kriegsmann, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von neotes
Prof. Dr. med. Dr. phil. Jörg Kriegsmann · Wissenschaftlicher Beirat von neotes

Wie sich ein genetischer Unterschied wiegen lässt

Diesen genauen Blick kann man sich zunächst ganz klassisch vorstellen: ein Labor, eine Gewebeprobe, ein Mikroskop.

Doch moderne molekulare Diagnostik hat weitere Werkzeuge. Eines davon nutzt eine Eigenschaft, die wir aus dem Alltag gut kennen: Unterschiedliche Dinge können unterschiedlich schwer sein. Das gilt auch für Moleküle.

In einem 2024 veröffentlichten Fachkapitel beschreiben Kriegsmann und seine Mitautoren, wie sich bestimmte genetische Varianten mithilfe der Massenspektrometrie analysieren lassen. Das Verfahren trägt den Namen MALDI-TOF. Vereinfacht gesagt werden dabei Molekülmassen genutzt, um ausgewählte Varianten zu unterscheiden.

Was nach einem sehr speziellen Laborthema klingt, führt zu alltagsnahen Fragen. Die Autoren beschäftigen sich beispielsweise mit genetischen Zusammenhängen im Fett- und Vitaminstoffwechsel sowie mit Unverträglichkeiten. Fachkapitel „Predictive Genomics“, 2024.

Hier kommt die Nutrigenetik ins Spiel. Sie untersucht, wie genetische Unterschiede mit der Verarbeitung von Nährstoffen zusammenhängen können.

Eine persönliche Ernährungsempfehlung lässt sich daraus allerdings nicht automatisch ablesen. Dafür müssen genetische Informationen mit weiteren Befunden und der tatsächlichen Ernährungssituation zusammenkommen. Auch die Autoren des Fachkapitels betonen diesen gemeinsamen Blick.

Zwei Doktortitel, zwei Perspektiven

Kriegsmanns Lebenslauf hält neben Laborverfahren und medizinischen Stationen ein ungewöhnliches Detail bereit: Er hat in Medizin und Philosophie promoviert. Seine philosophische Arbeit gehört zum Bereich der Ethik.

Für jemanden, der sich mit immer genaueren Informationen über Menschen beschäftigt, ist das eine bemerkenswerte Kombination.

Denn mit jeder zusätzlichen Messmöglichkeit entsteht auch eine Frage: Was hilft dem Menschen, über den wir gerade mehr erfahren?

Ein Laborergebnis kann präzise sein und trotzdem Erklärung brauchen. Welche Aussage ist gut belegt? Welche Bedeutung hat sie im konkreten Fall? Welche Entscheidung lässt sich daraus ableiten?

Bei Arzneimitteln gehören beispielsweise weitere Medikamente und die Funktion der Organe zur Einordnung. Über die Konsequenzen eines genetischen Befunds für eine Behandlung entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Auch die FDA betont, dass die genetische Ausstattung einer von mehreren Einflussfaktoren ist.

Zu guter Diagnostik gehört deshalb auch ein verständliches Gespräch über die Bedeutung des Ergebnisses.

Von Alabama nach Trier – und in den neotes Beirat

Kriegsmanns wissenschaftlicher Weg führte ihn nach dem Medizinstudium in Jena unter anderem in die USA: 1993/94 war er DAAD-Stipendiat an der University of Alabama at Birmingham. Dort vertiefte er seine molekularbiologischen Kenntnisse. 1998 folgte die Berufung zum Professor für Pathologie in Mainz. Später wurde Trier zum Mittelpunkt seiner diagnostischen Tätigkeit.

Heute ist er unter anderem Geschäftsführer der Proteopath GmbH. An der Danube Private University in Krems arbeitet er als Forschungsprodekan Humanmedizin und Direktor des Zentrums Pathologie. Seine aktuellen Hochschulfunktionen sind bei der DPU aufgeführt.

Mit dieser Erfahrung verstärkt er den wissenschaftlichen Beirat von neotes.

Für uns ist seine Perspektive wertvoll, weil sie molekulare Details und ihre medizinische Einordnung zusammenführt. Genau dort wird aus einer Messung eine verständliche Information über einen einzelnen Menschen.

Die Medikamentenpackung bleibt für viele Menschen dieselbe. Welche Bedeutung ein Befund für Sie hat, verdient einen persönlichen Blick.

Lernen Sie Jörg Kriegsmann und den wissenschaftlichen Beirat von neotes kennen.

Article author: neotes Editorial Team Article published at: Nov 4, 2026