Warum ähnliche Blutwerte unterschiedliche Stoffwechselmuster verbergen können und welche zusätzlichen Informationen eine Analyse von Lipoproteinen und Stoffwechselmarkern liefern kann.
Zwei Menschen vergleichen ihre Laborbefunde. Auf beiden steht derselbe LDL-Cholesterinwert. Auf den ersten Blick scheint ihr Fettstoffwechsel ähnlich zu sein. Doch dieser Wert allein verrät nicht, wie sich das Cholesterin im Blut auf die Transportpartikel verteilt.
Bei einem Menschen kann eine bestimmte Cholesterinmenge auf weniger Transportpartikel entfallen, die jeweils mehr Cholesterin enthalten. Bei einem anderen verteilt sie sich auf mehr Partikel, die jeweils weniger transportieren. Der gemessene Wert ist ähnlich, das Muster dahinter kann sich unterscheiden.
Solche Unterschiede sind ein Thema der Metabolomik. Sie untersucht kleine Moleküle, die bei Stoffwechselprozessen des Körpers entstehen, umgewandelt oder verbraucht werden. Dazu gehören beispielsweise Zucker, Aminosäuren, Fettsäuren und weitere Stoffwechselprodukte. Ihr Zusammenspiel lässt sich aus einzelnen Laborwerten oft nur teilweise ablesen.
Ein Metabolom-Test erfasst eine Auswahl solcher Stoffe und ordnet sie in ein gemeinsames Profil ein. Das kann zusätzliche Informationen liefern, ersetzt aber weder eine medizinische Diagnose noch die ärztliche Bewertung einzelner Laborwerte. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viele Parameter eine Analyse umfasst, sondern welche Aussage sich aus ihnen tatsächlich ableiten lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Was hinter dem Begriff Stoffwechsel steckt
- Cholesterin: Warum auch die Transportpartikel zählen
- Wie ein Metabolom-Test aus einer Blutprobe ein Profil erstellt
- Wenn sich der Stoffwechsel in den Wechseljahren verändert
- PCOS: Wenn sich hormonelle und metabolische Prozesse überschneiden
- Zucker- und Fettstoffwechsel hängen zusammen
- Die Waage zeigt nicht jede Veränderung
- Ernährung verändert nicht alle Werte auf dieselbe Weise
- Was ein Stoffwechselprofil aussagen kann und was nicht
- Quellen
Was hinter dem Begriff Stoffwechsel steckt
Im Alltag wird der Stoffwechsel häufig auf eine einzige Frage reduziert: Ist er schnell oder langsam? Gemeint ist damit oft, wie leicht jemand zu- oder abnimmt. Biologisch betrachtet greift diese Vorstellung allerdings zu kurz.
Der Stoffwechsel umfasst zahlreiche miteinander verbundene Reaktionen. Die Leber verarbeitet Nährstoffe und produziert unter anderem Bestandteile der Blutfette. Muskeln nehmen Glukose auf und nutzen sie zur Energiegewinnung. Aminosäuren dienen als Bausteine körpereigener Proteine oder werden in andere Stoffwechselwege eingeschleust. Hormone beeinflussen, wie diese Prozesse reguliert werden.
Bei diesen Abläufen entstehen und verschwinden fortlaufend messbare Moleküle, sogenannte Metaboliten. Manche dienen als Energieträger, andere sind Zwischenprodukte chemischer Reaktionen. Ihre Konzentrationen können sich unter anderem mit der Ernährung, körperlicher Aktivität, Tageszeit, Medikamenteneinnahme und dem Gesundheitszustand verändern.
Das Metabolom bezeichnet die Gesamtheit der kleinen Moleküle in einem biologischen System zu einem bestimmten Zeitpunkt. In der Praxis erfasst ein Test allerdings nicht sämtliche Stoffe des Körpers, sondern eine definierte Auswahl. Welche Moleküle gemessen werden können, hängt von der Messtechnik und dem jeweiligen Analyseverfahren ab.
Eine Blutprobe bildet deshalb nur einen Ausschnitt des Stoffwechselgeschehens ab. Sie zeigt, welche der untersuchten Substanzen zum Zeitpunkt der Entnahme in welcher Konzentration vorliegen. Sie bildet nicht unmittelbar ab, wie schnell alle Stoffwechselprozesse ablaufen oder wie leistungsfähig einzelne Organe sind.
Ein umfangreiches Profil kann mehr Zusammenhänge sichtbar machen als ein einzelner Laborwert. Was diese Zusammenhänge bedeuten, hängt jedoch vom jeweiligen Parameter, der Messmethode und dem individuellen Kontext ab.
Cholesterin: Warum auch die Transportpartikel zählen
Cholesterin ist ein Bestandteil von Zellmembranen und wird unter anderem für die Bildung bestimmter Hormone benötigt. Da es sich nicht einfach in Blut löst, wird es in sogenannten Lipoproteinen transportiert. Diese Partikel bestehen aus Lipiden und Proteinen und unterscheiden sich in Größe, Zusammensetzung und Funktion.
Zu den bekanntesten Klassen gehören LDL, HDL und VLDL. Ein klassisches Lipidprofil erfasst unter anderem Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeride. Diese Werte gehören zu den etablierten Größen der medizinischen Beurteilung des Fettstoffwechsels.
Ein erweitertes Lipoproteinprofil kann zusätzliche Informationen liefern. Dazu gehören die Konzentration bestimmter Partikel, ihre Größenverteilung und die Frage, wie sich Cholesterin und Triglyzeride auf unterschiedliche Partikelklassen verteilen.
Eine Auswertung der Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis untersuchte den Zusammenhang zwischen LDL-Cholesterin, LDL-Partikelzahl und späteren Herz-Kreislauf-Ereignissen. Bei Personen, deren LDL-Cholesterinwert und LDL-Partikelzahl deutlich voneinander abwichen, war die Partikelzahl stärker mit dem späteren Risiko verbunden als der Cholesterinwert allein.
Das bedeutet nicht, dass die Partikelzahl grundsätzlich jede andere Messgröße ersetzt. Es zeigt vielmehr, dass Cholesterinmenge und Zahl der Transportpartikel unterschiedliche Informationen enthalten können. Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, diese Unterschiede bei der Risikobeurteilung in geeigneten Fällen zu berücksichtigen.
Auch die verbreitete Einteilung in kleine, vermeintlich ungünstige LDL-Partikel und große, vermeintlich harmlose Partikel greift zu kurz. Die Partikelgröße allein erlaubt keine vollständige Bewertung des Fettstoffwechsels. Relevant sind unter anderem die Konzentration atherogener Lipoproteine und weitere individuelle Risikofaktoren.
Eine zusätzliche Messgröße ist ApoB, kurz für Apolipoprotein B. Dieses Protein kommt auf verschiedenen Lipoproteinen vor, die an der Entstehung von Ablagerungen in den Gefäßwänden beteiligt sein können. Die ApoB-Konzentration liefert Informationen über die Anzahl dieser atherogenen Partikel und kann bei der medizinischen Beurteilung des Fettstoffwechsels hilfreich sein.
Ein erweitertes Profil ist allerdings nicht automatisch besser als ein Standardlabor. Welche zusätzlichen Parameter sinnvoll sind, hängt von der konkreten Fragestellung ab. Manche Fragen lassen sich bereits durch etablierte Laborwerte einschließlich ApoB beantworten.
Die Kernspinresonanzspektroskopie, kurz NMR, ist eine Methode, mit der sich charakteristische Signale bestimmter Moleküle in einer Probe messen lassen. Mithilfe geeigneter Auswertungsverfahren können daraus Konzentrationen ausgewählter Stoffwechselparameter abgeleitet werden.
NMR-basierte Analysen können unterschiedliche Ebenen des Stoffwechsels abbilden. Dazu zählen je nach Verfahren ausgewählte Metaboliten, Lipide und Lipoproteinparameter. Bei Lipoproteinen können beispielsweise Informationen zu Partikelkonzentrationen und Größenklassen ausgewertet werden. Welche Parameter tatsächlich gemessen und im Ergebnisbericht ausgewiesen werden, hängt vom konkreten Testprofil ab.
Damit unterscheidet sich eine solche Analyse von einem einzelnen Laborwert. Mehrere Messgrößen lassen sich nebeneinanderstellen und in ihrem Zusammenhang beurteilen. Das kann zusätzliche Informationen liefern, sofern die jeweiligen Parameter für die Fragestellung geeignet und ihre Aussagekraft ausreichend untersucht sind.
Die Methode hat jedoch Grenzen. NMR erfasst nicht automatisch sämtliche Stoffwechselprodukte im Blut. Auch die daraus abgeleiteten Werte hängen von den verwendeten Mess- und Auswertungsverfahren ab. Ein bestimmter Messwert ist außerdem nicht gleichbedeutend mit einer Diagnose.
Wissenschaftliche Arbeiten beschreiben, wie NMR zur quantitativen Messung von Lipoproteinen und Metaboliten eingesetzt werden kann und welche analytischen Aspekte dabei zu berücksichtigen sind. Daraus folgt aber nicht, dass jeder kommerzielle Test dieselbe Messgenauigkeit oder diagnostische Aussagekraft besitzt. Dafür müssen die konkreten Verfahren und Auswertungsmodelle gesondert geprüft werden.
Der neotes Metabolom-Test wird als Analyse zur gemeinsamen Betrachtung ausgewählter Stoffwechselparameter angeboten. Welche Parameter genau erfasst werden und welche Aussagen sich daraus ableiten lassen, sollte anhand der aktuellen Produktbeschreibung und des konkreten Ergebnisberichts beurteilt werden. Ein solches Profil kann eine zusätzliche Gesprächsgrundlage sein, ersetzt aber keine medizinische Einordnung.
Wenn sich der Stoffwechsel in den Wechseljahren verändert
Die Wechseljahre werden häufig mit Veränderungen des Zyklus, Hitzewallungen und Schlafproblemen verbunden. In dieser Lebensphase können sich auch verschiedene Stoffwechselparameter verändern. Dabei ist es wichtig, Veränderungen im Zusammenhang mit dem Älterwerden, der hormonellen Übergangsphase und weiteren Einflussfaktoren zu betrachten.
Eine Studie aus dem Jahr 2018 untersuchte Stoffwechselprofile von Frauen im Zusammenhang mit der Menopause. Sie fand Veränderungen verschiedener Lipoprotein- und Stoffwechselparameter, von denen sich einige nicht vollständig durch das allgemeine Älterwerden erklären ließen.
Die SWAN-HDL-Studie untersuchte 471 Frauen während des Übergangs in die Menopause. Dabei betrachteten die Forschenden nicht nur das HDL-Cholesterin, sondern auch HDL-Unterklassen, deren Lipidgehalt und funktionelle Eigenschaften. Die Ergebnisse zeigen, dass sich diese Merkmale im Verlauf des Übergangs unterschiedlich entwickeln können.
Ein steigender HDL-Cholesterinwert beschreibt also nicht automatisch sämtliche Veränderungen, die sich bei den HDL-Partikeln vollziehen. Die Konzentration des transportierten Cholesterins, die Zusammensetzung der Partikel und bestimmte funktionelle Eigenschaften sind unterschiedliche Messgrößen.
Aus diesen Studien lässt sich nicht ableiten, dass jede Frau in den Wechseljahren dieselben Veränderungen durchläuft. Sie zeigen vielmehr, dass sich verschiedene Stoffwechselparameter im Verlauf einer Lebensphase unterschiedlich entwickeln können.
Ein Lipoproteinprofil kann Informationen über den Fetttransport liefern. Es ersetzt jedoch keine Untersuchung der Hormonlage und misst auch nicht automatisch die Funktion von HDL-Partikeln. Dafür sind jeweils andere Untersuchungen und Verfahren erforderlich.
Das polyzystische Ovarialsyndrom, kurz PCOS, ist eine hormonelle und reproduktionsmedizinische Erkrankung, die mit unterschiedlichen Stoffwechselmerkmalen einhergehen kann. Welche Ausprägung vorliegt, ist individuell verschieden.
Eine Studie verglich 124 Frauen mit PCOS mit 67 Frauen einer Kontrollgruppe. Dabei untersuchten die Forschenden unter anderem Lipoproteinmerkmale und die Cholesterin-Efflux-Kapazität von HDL. Diese beschreibt, wie gut HDL unter den jeweiligen Testbedingungen Cholesterin aus Zellen aufnehmen kann.
Die Studie fand bei den Frauen mit PCOS eine geringere Cholesterin-Efflux-Kapazität von HDL sowie Unterschiede bei weiteren Lipoproteinmerkmalen, darunter kleine LDL-Cholesterinpartikel und große VLDL-Partikel. Die Ergebnisse veranschaulichen, dass ähnliche Werte des LDL-Cholesterins nicht zwangsläufig bedeuten, dass alle untersuchten Lipoproteinmerkmale gleich ausgeprägt sind.
Die Befunde beschreiben Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen. Sie beweisen jedoch nicht, dass die gemessenen Partikelmerkmale allein durch PCOS verursacht wurden oder sich daraus im Einzelfall eine bestimmte gesundheitliche Entwicklung ableiten lässt. Auch lassen sie sich nicht ohne Weiteres auf alle Frauen mit PCOS übertragen.
Für die Praxis ist außerdem entscheidend, dass ein Lipoproteinprofil keine PCOS-Diagnose stellen kann. Diese beruht auf dafür vorgesehenen medizinischen Kriterien und Untersuchungen. Eine Stoffwechselanalyse kann einzelne Aspekte ergänzen, aber nicht die diagnostische Abklärung ersetzen.
Zucker- und Fettstoffwechsel hängen zusammen
Auf einem Laborbefund stehen Glukose und Cholesterin meist in unterschiedlichen Abschnitten. Im Körper sind die zugehörigen Stoffwechselwege jedoch miteinander verbunden.
Insulin spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Hormon ist unter anderem an der Regulation des Glukosestoffwechsels beteiligt und beeinflusst weitere Prozesse, die mit der Verarbeitung und Speicherung von Nährstoffen zusammenhängen. Verändert sich die Empfindlichkeit von Geweben gegenüber Insulin, können sich mehrere Stoffwechselparameter gleichzeitig verändern.
Eine Auswertung der Women's Health Study begleitete 25.925 Frauen ohne Diabetes über einen medianen Zeitraum von rund 20 Jahren. Dabei war ein auf NMR-basierten Lipoproteinparametern beruhender Score, der Lipoprotein Insulin Resistance Score, mit einem späteren Auftreten von Typ-2-Diabetes verbunden.
Der Score berücksichtigt verschiedene Merkmale von VLDL-, LDL- und HDL-Partikeln, darunter deren Größen und Konzentrationen. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Lipoproteinmuster in Bevölkerungsstudien mit dem späteren Auftreten von Typ-2-Diabetes zusammenhängen können.
Das bedeutet nicht, dass ein solcher Score bei jeder einzelnen Person eine Erkrankung zuverlässig vorhersagt. Er ist auch nicht mit einer direkten Messung der Insulinempfindlichkeit gleichzusetzen. Ein in einer Studie entwickelter Score lässt sich außerdem nicht ohne Weiteres auf einen anderen Test oder ein anderes Auswertungsmodell übertragen.
Auch einzelne Aminosäuren werden in der Stoffwechselforschung untersucht. Entscheidend ist dabei nicht nur, welcher Wert gemessen wird, sondern in welcher Population, mit welcher Methode und in welchem Zusammenhang die Messung erfolgt. Ein einzelner Aminosäurewert erlaubt für sich genommen keine zuverlässige Aussage über eine Insulinresistenz oder eine bestimmte Ernährungsweise.
Die gemeinsame Betrachtung mehrerer Parameter kann zusätzliche Zusammenhänge sichtbar machen. Für ihre Interpretation braucht es dennoch wissenschaftlich geprüfte Auswertungen und Informationen über die untersuchte Person.
Die Waage zeigt nicht jede Veränderung
Wer regelmäßig trainiert, kennt möglicherweise diese Situation: Die Ausdauer entwickelt sich weiter, Bewegungen fallen leichter, aber das Gewicht verändert sich kaum. Die Waage erfasst ausschließlich das Körpergewicht. Sie zeigt nicht, welche biochemischen Veränderungen parallel stattfinden.
Die randomisierte STRRIDE-Studie untersuchte bei zuvor wenig aktiven, übergewichtigen Erwachsenen, wie sich unterschiedliche Trainingsumfänge und Trainingsintensitäten auf Lipoproteine im Blut auswirken. An der Studie nahmen 111 Personen teil. 84 Personen, die die vorgesehenen Trainingsbedingungen erfüllten, bildeten die Grundlage der Hauptauswertung.
Die Ergebnisse zeigten Veränderungen bei mehreren Lipoproteinparametern. Insbesondere ein höherer Trainingsumfangwar mit umfassenderen Verbesserungen des Lipoproteinprofils verbunden. In der untersuchten Gruppe waren die Veränderungen stärker mit dem Umfang der Aktivität als mit der Trainingsintensität oder einer Verbesserung der Fitness verknüpft.
Das bedeutet nicht, dass die Intensität des Trainings grundsätzlich unwichtig ist. Die Ergebnisse beziehen sich auf die konkreten Trainingsprogramme und die untersuchten Messgrößen. Sie lassen sich nicht pauschal auf alle Trainingsformen, Menschen oder gesundheitlichen Ziele übertragen.
Aus der Studie folgt auch nicht, dass ein Blutprofil die Fitness eines Menschen messen kann. Eine Blutprobe erfasst weder die Ausdauer noch die Muskelkraft direkt. Sie liefert Informationen zu den jeweils gemessenen biochemischen Parametern.
Für die Beobachtung eines Trainingsprogramms können solche Messgrößen eine zusätzliche Perspektive bieten. Sie sollten jedoch zusammen mit anderen Informationen betrachtet werden, etwa Trainingsumfang, körperlicher Leistungsfähigkeit und den Bedingungen der Blutentnahme.
Ernährung verändert nicht alle Werte auf dieselbe Weise
Auch bei der Ernährung gibt es selten nur eine einzige Messgröße, die sämtliche Veränderungen beschreibt. Unterschiedliche Nährstoffe können verschiedene Stoffwechselwege beeinflussen. Entsprechend können sich Triglyzeride, Cholesterin und einzelne Lipoproteinparameter unterschiedlich entwickeln.
Eine randomisierte Crossover-Studie untersuchte bei Menschen mit abdominaler Adipositas, wie sich definierte Omega-3- und Omega-6-Fettsäure-Supplementierungen auf Lipoproteinunterklassen, Standardblutfette und Apolipoproteine auswirkten. Die Forschenden fanden Veränderungen bei den untersuchten Parametern, wobei sich die Effekte je nach Messgröße unterschieden.
Die Ergebnisse beziehen sich auf die untersuchten Supplementierungen und Studienbedingungen. Sie lassen sich nicht pauschal auf jede Ernährungsform, jedes Nahrungsergänzungsmittel oder jede Person übertragen. Aus ihnen folgt insbesondere nicht, dass eine bestimmte Supplementierung für alle Menschen empfehlenswert ist.
Für die Einordnung einer Ernährungsumstellung ist deshalb eine konkrete Fragestellung sinnvoller als das allgemeine Ziel, den Stoffwechsel zu optimieren. Welche Veränderung wurde vorgenommen? Welche Messgrößen sollen betrachtet werden? Und unter welchen Bedingungen wird erneut gemessen?
Wenn sich ein Laborwert verändert, ist damit noch nicht automatisch geklärt, wodurch die Veränderung entstanden ist. Ernährung, körperliche Aktivität, Medikamente, Erkrankungen und andere Einflussfaktoren können gleichzeitig eine Rolle spielen.
Was ein Stoffwechselprofil aussagen kann und was nicht
Ein umfangreicheres Stoffwechselprofil kann unterschiedliche Messgrößen zusammenführen. Sein Wert liegt vor allem darin, zusätzliche Informationen zu ausgewählten biochemischen Vorgängen bereitzustellen. Ob diese Informationen für eine konkrete Frage relevant sind, muss jeweils einzeln beurteilt werden.
Dabei sind einige Punkte wichtig:
-
Eine Momentaufnahme bleibt eine Momentaufnahme. Die Werte beschreiben die untersuchten Stoffe zum Zeitpunkt der Blutentnahme. Sie bilden nicht sämtliche Prozesse des Körpers ab.
-
Referenzbereiche sind keine persönlichen Zielwerte. Sie zeigen, wie Messwerte im Vergleich zu einer bestimmten Referenzgruppe einzuordnen sind. Daraus ergibt sich nicht automatisch, welcher Wert für eine einzelne Person optimal wäre.
-
Mehr Messwerte bedeuten nicht automatisch mehr diagnostische Sicherheit. Ein zusätzlicher Parameter ist nur dann hilfreich, wenn seine Bedeutung für die jeweilige Fragestellung ausreichend untersucht ist.
-
Forschungsergebnisse sind nicht automatisch auf jeden Test übertragbar. Studien zu bestimmten NMR-Plattformen, Populationen und Auswertungsmodellen belegen nicht ohne Weiteres die diagnostische Leistung eines anderen kommerziellen Tests.
-
Auffällige Werte brauchen Kontext. Medikamente, Erkrankungen, Ernährung und körperliche Belastung können Messergebnisse beeinflussen. Für Verlaufsmessungen sind vergleichbare Entnahmebedingungen und eine konsistente Analysemethode wichtig.
Die wissenschaftlichen Studien zu Lipoproteinen und Metaboliten zeigen, dass hinter vertrauten Laborwerten weitere Muster liegen können. Sie liefern Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Stoffwechselparametern und verschiedenen Lebensphasen. Sie belegen jedoch nicht, dass ein einzelnes Stoffwechselprofil Krankheiten diagnostizieren oder deren Entwicklung bei einer einzelnen Person zuverlässig vorhersagen kann.
Der neotes Metabolom-Test verfolgt den Ansatz, ausgewählte Stoffwechselinformationen in einem gemeinsamen Profil darzustellen. Welche Parameter konkret erfasst werden und welche medizinischen Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen, muss anhand der jeweiligen Testunterlagen und der wissenschaftlichen Validierung der Mess- und Auswertungsverfahren beurteilt werden. Dafür sind auch die individuelle Vorgeschichte, gegebenenfalls weitere Untersuchungen und eine fachliche Einordnung wichtig.
Am Ende geht es also nicht darum, möglichst viele Zahlen zu sammeln. Entscheidend ist, welche Frage ein Messwert beantwortet, welche Unsicherheit bleibt und ob die zusätzliche Information im jeweiligen Zusammenhang tatsächlich weiterhilft.
Quellen
- Otvos, J. D., Mora, S., Shalaurova, I., Greenland, P., Mackey, R. H. & Goff, D. C., Jr. (2011). Clinical implications of discordance between low-density lipoprotein cholesterol and particle number. Journal of Clinical Lipidology, 5(2), 105–113. DOI: 10.1016/j.jacl.2011.02.001
- Wang, Q., Ferreira, D. L. S., Nelson, S. M., Sattar, N., Ala-Korpela, M. & Lawlor, D. A. (2018). Metabolic characterization of menopause: cross-sectional and longitudinal evidence. BMC Medicine, 16, Artikel 17. DOI: 10.1186/s12916-018-1008-8
- El Khoudary, S. R., Chen, X., Nasr, A. et al. (2021). HDL (High-Density Lipoprotein) Subclasses, Lipid Content, and Function Trajectories Across the Menopause Transition: SWAN-HDL Study. Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology, 41(2), 951–961. DOI: 10.1161/ATVBAHA.120.315355
- Roe, A., Hillman, J., Butts, S. et al. (2014). Decreased cholesterol efflux capacity and atherogenic lipid profile in young women with PCOS. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 99(5), E841–E847. DOI: 10.1210/jc.2013-3918
- Harada, P. H. N., Demler, O. V., Dugani, S. B. et al. (2017). Lipoprotein insulin resistance score and risk of incident diabetes during extended follow-up of 20 years: The Women's Health Study. Journal of Clinical Lipidology, 11(5), 1257–1267.e2. DOI: 10.1016/j.jacl.2017.06.008
- Kraus, W. E., Houmard, J. A., Duscha, B. D. et al. (2002). Effects of the Amount and Intensity of Exercise on Plasma Lipoproteins. The New England Journal of Medicine, 347(19), 1483–1492. DOI: 10.1056/NEJMoa020194
- Grytten, E., Laupsa-Borge, J., Bohov, P. et al. (2021). Changes in lipoprotein particle subclasses, standard lipids, and apolipoproteins after supplementation with n-3 or n-6 PUFAs in abdominal obesity: A randomized double-blind crossover study. Clinical Nutrition, 40(5), 2556–2575. DOI: 10.1016/j.clnu.2021.03.040
- Loo, R. L., Lodge, S., Kimhofer, T. et al. (2020). Quantitative In-Vitro Diagnostic NMR Spectroscopy for Lipoprotein and Metabolite Measurements in Plasma and Serum: Recommendations for Analytical Artifact Minimization with Special Reference to COVID-19/SARS-CoV-2 Samples. Journal of Proteome Research, 19(11), 4428–4441. DOI: 10.1021/acs.jproteome.0c00537