Der Arbeitstag beginnt am Schreibtisch und endet nicht selten ebenfalls dort. Dazwischen liegen Stunden vor dem Bildschirm, kurze Wege zur Kaffeemaschine und vielleicht noch die Fahrt nach Hause. Für viele Menschen ist Sitzen damit nicht nur eine Tätigkeit, sondern der Grundzustand des Büroalltags.
Dabei ist langes Sitzen nicht dasselbe wie fehlende Bewegung. Wer morgens joggt, abends ins Fitnessstudio geht und trotzdem acht oder neun Stunden am Tag überwiegend sitzt, erfüllt zwar möglicherweise die Empfehlungen für körperliche Aktivität, verbringt aber weiterhin einen großen Teil des Tages in einem bewegungsarmen Zustand.
Genau diese Unterscheidung ist für die moderne Gesundheitsforschung wichtig. Körperliche Aktivität und sedentäres Verhalten werden heute als zwei miteinander verbundene, aber nicht identische Faktoren betrachtet. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen deshalb nicht nur regelmäßige Bewegung, sondern auch, die Zeit im Sitzen und anderen Formen sedentären Verhaltens zu begrenzen.
Die gute Nachricht: Dafür muss der Büroalltag nicht komplett umgebaut werden. Schon kleine Veränderungen können dabei helfen, mehr Bewegung in den Arbeitstag einzubauen und lange Sitzphasen regelmäßig zu unterbrechen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum langes Sitzen zum Gesundheitsproblem werden kann
- Was im Körper beim langen Sitzen passiert
- Warum Bewegungspausen mehr sind als ein kurzer Spaziergang
- Wie viel Bewegung im Büroalltag sinnvoll ist
- So lässt sich Sitzen im Büro praktisch reduzieren
- Stehen oder Gehen: Was bringt mehr?
- Warum Alltagsbewegung für die Gesundheit zählt
- Welche Rolle Sport trotz eines sitzenden Jobs spielt
- So lassen sich Bewegungsgewohnheiten dauerhaft etablieren
- Häufige Irrtümer über Sitzen und Bewegung
- Grenzen der aktuellen Evidenz
- Fazit
- Quellen
Warum langes Sitzen zum Gesundheitsproblem werden kann
Sitzen ist zunächst ein ganz normales Verhalten. Problematisch wird es vor allem dann, wenn sich lange, ununterbrochene Sitzphasen über den gesamten Tag verteilen.
Die WHO definiert sedentäres Verhalten als Wachzeit mit sehr niedrigem Energieverbrauch im Sitzen, Liegen oder Zurücklehnen. Dazu gehören nicht nur Fernsehen und Freizeit vor dem Bildschirm, sondern auch viele Stunden am Arbeitsplatz. Gerade klassische Schreibtischarbeit fällt damit unmittelbar in diese Kategorie.
Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen einem hohen Umfang an sedentärem Verhalten und einem erhöhten Risiko für verschiedene gesundheitliche Probleme. Dazu zählen unter anderem Herz Kreislauf Erkrankungen, Typ 2 Diabetes und eine höhere Gesamtsterblichkeit. Gleichzeitig ist körperliche Aktivität mit einem geringeren Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen verbunden.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Aus solchen Beobachtungen lässt sich nicht ableiten, dass jede einzelne Stunde Sitzen unmittelbar krank macht. Menschen, die besonders viel sitzen, unterscheiden sich häufig auch in anderen Lebensstilfaktoren von Menschen, die sich im Alltag mehr bewegen. Deshalb untersucht die Forschung zunehmend, wie viel Bewegung notwendig ist, um die gesundheitlichen Nachteile eines sehr sitzenden Alltags abzumildern.
Die Antwort fällt dabei weniger streng aus, als man zunächst vermuten könnte. Es geht nicht darum, Sitzen vollständig zu vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, die tägliche Bewegungsmenge zu erhöhen und lange Phasen ohne Bewegung regelmäßig zu unterbrechen.
Was im Körper beim langen Sitzen passiert
Der menschliche Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, dass sich der Körper über den Tag hinweg immer wieder bewegt. Muskeln benötigen Energie, sobald sie aktiv sind. Selbst leichte Bewegungen erhöhen den Energieverbrauch und beeinflussen verschiedene Stoffwechselprozesse.
Bei längerem Sitzen fällt diese Muskelaktivität weitgehend weg. Besonders die großen Muskelgruppen der Beine bleiben über längere Zeit inaktiv. Dadurch verändert sich unter anderem der Umgang des Körpers mit Glukose und Fetten.
Ein Teil der Forschung beschäftigt sich deshalb mit der Frage, was passiert, wenn langes Sitzen regelmäßig durch kurze Bewegungsphasen unterbrochen wird. Dabei zeigen experimentelle Studien, dass bereits leichte Aktivität während längerer Sitzperioden bestimmte Stoffwechselreaktionen beeinflussen kann.
In einer randomisierten Crossover Studie untersuchten Bailey und Kollegen beispielsweise, wie sich kurze Bewegungspausen auf den Blutzucker auswirken. Die Teilnehmer verbrachten mehrere Versuchsbedingungen mit langem Sitzen, wobei eine Bedingung alle 20 Minuten durch zwei Minuten leichtes Gehen unterbrochen wurde. Im Vergleich zu ununterbrochenem Sitzen verbesserte das leichte Gehen die postprandiale Glukoseantwort, während die entsprechenden Stehpausen keinen vergleichbaren Effekt zeigten.
Das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass Bewegungspausen physiologisch etwas anderes bewirken können als bloßes Aufstehen. Allerdings handelte es sich um eine kleine Akutstudie mit nur zehn Personen. Sie zeigt deshalb einen möglichen Mechanismus, lässt aber keine Aussage darüber zu, wie sich solche Pausen über Jahre auf die Gesundheit auswirken.
Muskelaktivität als unterschätzter Faktor
Der Unterschied zwischen Sitzen und leichter Bewegung lässt sich auch auf einer grundlegenden Ebene erklären. Sobald die Beinmuskulatur aktiv wird, verändert sich der Energieumsatz des Körpers. Gleichzeitig werden Stoffwechselprozesse angeregt, die während längerer Ruhephasen weniger aktiv sind.
Das bedeutet nicht, dass jede kurze Bewegungspause einen großen gesundheitlichen Effekt erzeugt. Vielmehr geht es um die Summe vieler kleiner Bewegungen. Eine zweiminütige Gehstrecke ist für sich genommen kaum bemerkenswert. Wiederholt sie sich jedoch zehn oder fünfzehn Mal über einen Arbeitstag, entsteht daraus eine relevante zusätzliche Bewegungszeit.
Genau hier liegt ein praktischer Vorteil des Büroalltags: Viele Bewegungsmöglichkeiten sind bereits vorhanden, werden aber häufig nicht genutzt.
Warum Bewegungspausen mehr sind als ein kurzer Spaziergang
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Bewegung ausschließlich als Sport zu betrachten. Für die gesundheitliche Wirkung des Alltags ist jedoch auch entscheidend, wie der gesamte Tag zusammengesetzt ist.
Wer acht Stunden sitzt und anschließend 45 Minuten trainiert, ist körperlich aktiver als jemand, der überhaupt keinen Sport macht. Trotzdem bleibt ein großer Teil des Tages bewegungsarm. Umgekehrt kann jemand, der keinen klassischen Sport betreibt, durch viele Wege zu Fuß, häufiges Aufstehen und körperlich aktive Tätigkeiten eine beträchtliche Menge an Bewegung sammeln.
Die WHO betont deshalb, dass jede körperliche Aktivität zählt und dass auch leichte Bewegung gesundheitliche Vorteile gegenüber vollständiger Inaktivität bietet. Erwachsene sollten grundsätzlich die Zeit mit sedentärem Verhalten begrenzen und möglichst viel davon durch Bewegung ersetzen.
Für den Büroalltag bedeutet das: Eine Bewegungspause muss kein Workout sein. Ein Gang zum Drucker, eine kurze Runde durchs Gebäude oder ein Telefonat im Gehen können bereits dazu beitragen, eine lange Sitzphase zu unterbrechen.
Das Ziel ist nicht, den Arbeitsplatz in ein Fitnessstudio zu verwandeln. Es geht vielmehr darum, Bewegung wieder zu einem normalen Bestandteil des Arbeitstages zu machen.
Wie viel Bewegung im Büroalltag sinnvoll ist
Für Erwachsene empfiehlt die WHO mindestens 150 bis 300 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche oder alternativ 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität. Zusätzlich werden muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche empfohlen. Wer mehr als diese Mindestmenge erreicht, kann weitere gesundheitliche Vorteile erzielen.
Diese Empfehlung bezieht sich auf körperliche Aktivität und ersetzt nicht die Empfehlung, sedentäres Verhalten zu reduzieren. Gerade Menschen mit einem sehr sitzenden Beruf profitieren deshalb davon, beide Aspekte getrennt zu betrachten.
Ein sinnvoller Büroalltag könnte beispielsweise aus regelmäßigen kurzen Bewegungsunterbrechungen während der Arbeitszeit, aktiven Wegen im Alltag und gezieltem Training bestehen. Dabei muss nicht jede einzelne Maßnahme perfekt umgesetzt werden.
Wichtig ist vielmehr, Bewegung über den gesamten Tag zu verteilen. Wer ausschließlich versucht, am Abend möglichst viel Sport nachzuholen, lässt einen großen Teil der Möglichkeiten ungenutzt, die sich bereits während der Arbeitszeit ergeben.
Auch die Intensität muss nicht immer hoch sein. Die WHO weist ausdrücklich darauf hin, dass jede Bewegung besser ist als keine Bewegung und dass auch leichte körperliche Aktivität gesundheitliche Vorteile bieten kann.
So lässt sich Sitzen im Büro praktisch reduzieren
Die wirksamste Strategie ist meist nicht die eine große Veränderung, sondern eine Reihe kleiner Entscheidungen, die sich im Tagesverlauf wiederholen. Wer für kurze Wege aufsteht, Gespräche teilweise im Gehen führt oder regelmäßig die Treppe nimmt, reduziert die Zeit, die sonst nahezu unbemerkt im Sitzen vergeht.
Hilfreich ist dabei ein einfacher Grundsatz: Nicht auf die perfekte Bewegungspause warten, sondern Bewegung an bestehende Abläufe koppeln.
Bewegung an Routinen knüpfen
Besonders leicht umzusetzen sind feste Anlässe. Nach einer längeren E Mail Bearbeitung kann beispielsweise kurz aufgestanden werden. Telefonate, bei denen kein Bildschirm benötigt wird, lassen sich im Stehen oder Gehen führen. Wasser holen, Unterlagen bringen oder einen Kollegen persönlich anzusprechen, schafft zusätzliche Schritte.
Auch die Mittagspause bietet Möglichkeiten. Wer einen Teil der Pause für einen Spaziergang nutzt, unterbricht nicht nur das Sitzen, sondern sammelt gleichzeitig zusätzliche körperliche Aktivität.
Entscheidend ist dabei nicht, jede einzelne Pause exakt zu planen. Viel wichtiger ist, lange Sitzperioden regelmäßig zu unterbrechen. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu kurzen Aktivitätspausen fand in 39 ausgewerteten Studien akute Verbesserungen der Glukose und Insulinantwort gegenüber längerem ununterbrochenem Sitzen. Besonders deutlich waren die Effekte bei Gehpausen. (PubMed)
Der Arbeitsplatz als Bewegungsanstoß
Auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes kann Verhalten beeinflussen. Ein Drucker, der direkt neben dem Schreibtisch steht, macht zusätzliche Wege unnötig. Ein weiter entfernter Drucker oder eine bewusst nicht unmittelbar am Arbeitsplatz platzierte Wasserflasche können dagegen ganz beiläufig mehr Bewegung erzeugen.
Ein Sitz Steh Schreibtisch kann ebenfalls hilfreich sein. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 wertete zwölf Studien zu solchen Interventionen bei Büroangestellten aus. Im Vergleich zu Kontrollgruppen reduzierten die Interventionen die tägliche Sitzzeit sowohl während der Arbeit als auch über den gesamten Tag hinweg. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit noch nicht ausreichend geklärt sind. (PubMed)
Wichtig ist deshalb, einen höhenverstellbaren Schreibtisch nicht mit einem Gesundheitsprogramm gleichzusetzen. Stehen ersetzt zwar Sitzen, ist aber nicht dasselbe wie Gehen oder andere körperliche Aktivität.
Stehen oder Gehen: Was bringt mehr?
Wenn das Ziel lautet, möglichst wenig zu sitzen, liegt Stehen als Alternative zunächst nahe. Tatsächlich kann regelmäßiges Aufstehen die Sitzzeit reduzieren. Für den Stoffwechsel scheint leichte Bewegung jedoch häufig wirksamer zu sein als bloßes Stehen.
Das zeigte sich bereits in experimentellen Studien, in denen kurze Gehintervalle mit Stehpausen verglichen wurden. Bewegung aktiviert die Muskulatur stärker und verändert dadurch unter anderem den Glukoseverbrauch.
Auch neuere Übersichtsarbeiten bestätigen dieses Muster. In der bereits erwähnten Metaanalyse hatten Gehpausen den stärksten Effekt auf die postprandiale Glukose und Insulinantwort. (PubMed)
Das bedeutet nicht, dass Stehen nutzlos wäre. Es kann eine praktische Möglichkeit sein, längeres Sitzen zu unterbrechen, insbesondere bei Tätigkeiten wie Lesen oder Telefonieren. Wer zwischen Sitzen und Stehen wechseln kann, schafft damit eine bessere Ausgangslage, als den gesamten Arbeitstag in derselben Position zu verbringen.
Für den Stoffwechsel ist Bewegung allerdings mehr als ein Positionswechsel. Wenn es möglich ist, ist ein kurzer Gang daher meist sinnvoller als lediglich aufzustehen.
Nicht jede gesundheitsrelevante Bewegung sieht nach Sport aus. Ein Teil unserer täglichen körperlichen Aktivität entsteht durch Gehen, Treppensteigen, Hausarbeit, Einkaufen oder andere alltägliche Tätigkeiten. In der Forschung wird dieser Bereich teilweise als körperliche Aktivität außerhalb gezielter sportlicher Betätigung betrachtet.
Eine große Dosis Wirkungs Metaanalyse aus dem Jahr 2023 untersuchte den Zusammenhang zwischen nicht beruflicher körperlicher Aktivität und verschiedenen gesundheitlichen Endpunkten. Die Auswertung von großen prospektiven Studien zeigte, dass bereits relativ kleine Steigerungen der Aktivität bei wenig aktiven Menschen mit deutlichen gesundheitlichen Vorteilen verbunden waren. Der größte Unterschied zeigte sich dabei im Übergang von sehr wenig Aktivität zu etwas mehr Bewegung.
Das ist gerade für Menschen mit Schreibtischarbeit relevant. Wer bislang kaum Bewegung in den Arbeitstag integriert, muss nicht sofort täglich zehntausend Schritte erreichen oder ein intensives Trainingsprogramm beginnen.
Schon zusätzliche Wege können die tägliche Aktivitätsbilanz verändern. Ein Teil des Effekts entsteht dabei schlicht dadurch, dass Sitzen durch Bewegung ersetzt wird.
Welche Rolle Sport trotz eines sitzenden Jobs spielt
Bewegungspausen können einen sitzenden Arbeitstag verbessern, ersetzen aber kein gezieltes Training. Für die langfristige Gesundheit sind sowohl alltägliche Bewegung als auch ausreichend intensive körperliche Aktivität relevant.
Die aktuellen Empfehlungen der WHO sehen für Erwachsene mindestens 150 bis 300 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche oder 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität vor. Zusätzlich sollten an mindestens zwei Tagen pro Woche muskelkräftigende Aktivitäten durchgeführt werden.
Besonders interessant ist die Wechselwirkung zwischen Sport und Sitzen. Eine große Analyse individueller Daten aus mehreren Kohorten zeigte, dass der Zusammenhang zwischen langem Sitzen und erhöhter Sterblichkeit bei Menschen mit ausreichend moderater bis intensiver körperlicher Aktivität deutlich abgeschwächt war. Das bedeutet nicht, dass Sport die gesamte Sitzzeit bedeutungslos macht. Es zeigt vielmehr, dass ausreichende körperliche Aktivität einen wichtigen Teil des Risikos abfedern kann.
Für einen Büroangestellten ergibt sich daraus ein relativ einfaches Prinzip: Bewegung während der Arbeitszeit und Sport außerhalb der Arbeitszeit verfolgen unterschiedliche Ziele. Beides sollte sich ergänzen.
Eine sinnvolle Kombination
Ein aktiverer Büroalltag könnte beispielsweise aus drei Ebenen bestehen:
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Während der Arbeit: längere Sitzphasen regelmäßig unterbrechen und kurze Wege bewusst zu Fuß zurücklegen.
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Im Alltag: Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen, Treppen nutzen und zusätzliche Bewegung nicht unnötig vermeiden.
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Beim Training: Ausdauer und Kraft gezielt trainieren, um die empfohlenen Aktivitätsmengen zu erreichen.
Dabei muss der Alltag nicht minutiös optimiert werden. Entscheidend ist die langfristige Gewohnheit.
So lassen sich Bewegungsgewohnheiten dauerhaft etablieren
Mehr Bewegung im Büro scheitert selten daran, dass Menschen nicht wissen, dass Bewegung gesund ist. Schwieriger ist es, dieses Wissen in einen Arbeitstag zu übersetzen, der aus Meetings, Fristen und langen Phasen konzentrierter Bildschirmarbeit besteht.
Deshalb sind realistische Gewohnheiten meist erfolgversprechender als ein möglichst ambitionierter Plan. Wer sich vornimmt, jede Stunde zehn Minuten Sport zu machen, wird dies im Büroalltag vermutlich nicht dauerhaft durchhalten. Eine kurze Gehstrecke zwischen zwei Aufgaben lässt sich dagegen wesentlich leichter integrieren.
Hilfreich kann es sein, konkrete Auslöser mit Bewegung zu verknüpfen. Nach einem Telefonat wird kurz aufgestanden, vor dem Mittagessen eine Runde gegangen oder für kurze Gespräche der Schreibtisch verlassen. Solche festen Verknüpfungen reduzieren die Notwendigkeit, jedes Mal bewusst eine Entscheidung treffen zu müssen.
Auch Umgebung und Arbeitsplatzgestaltung spielen eine Rolle. Was bequem erreichbar ist, wird häufig genutzt. Wer dagegen bestimmte Wege bewusst etwas verlängert, schafft zusätzliche Bewegungsanlässe, ohne dafür zusätzliche Zeit einplanen zu müssen.
Dabei sollte Bewegung nicht zur weiteren Leistungsanforderung werden. Gerade im Büroalltag geht es nicht darum, jede Minute zu optimieren. Entscheidend ist, über den Tag hinweg immer wieder Phasen körperlicher Aktivität entstehen zu lassen.
Häufige Irrtümer über Sitzen und Bewegung
Rund um das Thema Sitzen gibt es einige Aussagen, die deutlich einfacher klingen als die wissenschaftliche Evidenz.
„Wer jeden Tag Sport macht, kann den Rest des Tages problemlos sitzen.“
Regelmäßiges Training ist sehr wichtig und kann die gesundheitlichen Folgen eines überwiegend sitzenden Lebensstils teilweise abschwächen. Es bedeutet jedoch nicht, dass die übrige Zeit körperlich völlig inaktiv sein sollte. Bewegung und sedentäres Verhalten sind zwei unterschiedliche Dimensionen.
„Man muss während der Arbeit ständig stehen.“
Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Stehen kann eine Möglichkeit sein, Sitzen zu unterbrechen, aber es ist nicht notwendig, möglichst viele Stunden im Stehen zu verbringen. Gehen und andere leichte Aktivitäten beanspruchen die Muskulatur stärker und sind für bestimmte Stoffwechselreaktionen günstiger.
„Nur intensive Bewegung bringt gesundheitliche Vorteile.“
Auch diese Vorstellung greift zu kurz. Die WHO betont, dass jede Bewegung besser ist als keine Bewegung. Gerade für Menschen mit einem sehr niedrigen Aktivitätsniveau können bereits moderate Steigerungen einen relevanten Unterschied machen.
„10.000 Schritte sind das Minimum für einen gesunden Tag.“
Die Zahl von 10.000 Schritten ist kein medizinisch festgelegter Grenzwert. Studien zeigen vielmehr, dass gesundheitliche Vorteile bereits bei deutlich weniger Schritten auftreten können und die optimale Schrittzahl von Alter, Ausgangsniveau und Gesundheitszustand abhängt.
„Kurze Bewegungspausen bringen nichts.“
Kurze Aktivitätspausen können zumindest kurzfristig messbare Stoffwechseleffekte haben. Besonders für die Glukoseantwort nach einer Mahlzeit gibt es hierfür experimentelle Hinweise. Wie stark sich solche Unterbrechungen langfristig auf Erkrankungsrisiken auswirken, ist dagegen noch nicht abschließend geklärt.
Grenzen der aktuellen Evidenz
Die Forschung zu Sitzen und Bewegung ist inzwischen umfangreich, doch nicht jede Frage lässt sich eindeutig beantworten.
Ein großer Teil der Evidenz stammt aus Beobachtungsstudien. Diese können Zusammenhänge zwischen Sitzzeit, körperlicher Aktivität und gesundheitlichen Ergebnissen zeigen, aber nur eingeschränkt beweisen, dass das beobachtete Verhalten die Ursache eines späteren Gesundheitseffekts ist.
Hinzu kommt, dass körperliche Aktivität und sedentäres Verhalten häufig über Fragebögen erfasst wurden. Moderne Studien verwenden zunehmend Bewegungssensoren und Beschleunigungsmesser, die Bewegungszeiten objektiver erfassen können. Dadurch lassen sich Unterschiede zwischen Sitzen, Stehen und verschiedenen Intensitäten genauer untersuchen.
Auch die optimale Häufigkeit von Bewegungspausen ist noch nicht endgültig geklärt. Studien mit kurzen Unterbrechungen zeigen zwar akute Verbesserungen bestimmter Stoffwechselparameter, doch daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass ein bestimmtes Pausenintervall langfristig Krankheiten verhindert.
Für die Praxis ist die Evidenz dennoch ausreichend, um eine klare Richtung vorzugeben: Weniger Sitzen und mehr Bewegung sind sinnvoll, ohne dass dafür ein exakt vorgeschriebenes Pausenprogramm notwendig wäre.
Fazit
Ein sitzender Bürojob lässt sich nicht immer vermeiden. Die gesundheitliche Frage ist deshalb weniger, ob wir überhaupt sitzen, sondern wie viel und wie lange am Stück.
Regelmäßige Bewegungspausen, aktive Wege und eine bewusste Gestaltung des Arbeitsplatzes können dabei helfen, lange Phasen körperlicher Inaktivität zu reduzieren. Besonders leichte Bewegung wie Gehen scheint dabei mehr zu bewirken als ein bloßer Wechsel vom Sitzen ins Stehen.
Gleichzeitig bleibt gezieltes Training wichtig. Ausdaueraktivität und Krafttraining erfüllen andere Funktionen als kurze Bewegungspausen während der Arbeitszeit und sollten deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Für den Büroalltag ergibt sich damit kein kompliziertes Bewegungsprogramm. Jede Gelegenheit, Sitzen durch Bewegung zu ersetzen, zählt. Ein paar zusätzliche Wege, kurze Spaziergänge zwischen Aufgaben und regelmäßiges Aufstehen können sich über einen gesamten Arbeitstag zu einer beachtlichen Menge zusätzlicher Aktivität summieren.
Gesundes Arbeiten bedeutet deshalb nicht, den Schreibtisch komplett zu vermeiden. Es bedeutet, den Tag immer wieder durch Bewegung zu unterbrechen und körperliche Aktivität selbstverständlich in den Alltag einzubauen.
Quellen
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