Sulforaphan

Inhaltsstoff-Glossar

Sulforaphan

Was ist Sulforaphan?

Sulforaphan ist ein Senföl aus Brokkoli und Blumenkohl. Es wehrt Fressfeinde der Pflanzen ab und irritiert durch beißenden Geruch und Geschmack auch uns Menschen. Eine Vielzahl an mechanistischen Studien mit Zellen und Tiermodellen belegen die anti-oxidativen, anti-karzinogenen und anti-entzündlichen Wirkungen von Sulforaphan. Aufgrund weniger klinischer Versuche mit menschlicher Beteiligung stehen Belege für die direkte Wirkung beim Menschen noch aus. Trotzdem gilt Sulforaphan bei vielen als vielversprechendes Supplement, um die Risiken für chronische Erkrankungen zu senken.

Wo kommt Sulforaphan natürlicherweise vor?

Sulforaphan ist ein Senföl, das bestimmte Pflanzen herstellen und nutzen, um sich gegen Fressfeinde zu verteidigen. Die Pflanze lagert Sulforaphan ein, verstaut es gut und macht es im eigenen Gewebe unschädlich. Damit es nur dann in seiner aktiven und aggressiven Form austritt, sobald Feinde das Gewebe der Pflanze verletzen. In den unbeschädigten Zellen liegt es als neutrales Senfölglykosid vor in Verbindung mit einem Zucker.

Die Myrosinase ist das Enzym, das Sulforaphan vom Zucker trennt, damit es seinen Dienst gegen Eindringlinge verrichtet. Dieses Enzym befindet sich in einem anderen Teil der Zelle. Sobald also eine Verletzung entsteht, treffen das Senfölglykosid und das Enzym wie vorbestimmt aufeinander. Das Enzym spaltet Sulforaphan ab und dieses erfüllt als Senföl seine verteidigende Wirkung gegen Eindringlinge.

Die Pflanze lagert Sulforaphan raffiniert in einer Verbindung mit Zucker in den Kompartimenten der pflanzlichen Zelle ein. Für uns Menschen heißt das: Die Bioverfügbarkeit von Sulforaphan beim Konsum von Kreuzblütlern hängt stark von der Zubereitung ab. Nur wenn wir Sulforaphan abgespalten vom Zucker aufnehmen, ist es biologisch aktiv. Dafür muss das Enzym Myrosinase vor dem Konsum von Brokkoli, Blumenkohl oder Rettich ausreichend Zeit haben. Kochen um die Zellwände zu zerstören ist keine Lösung, da das Enzym Myrosinase durch Hitze schnell seine Funktion verliert.

Um die Aufnahme von Sulforaphan zu steigern, können wir das Gemüse klein geschnitten vor der Zubereitung ruhen lassen. Oder Sprossen verzehren, die sehr viel höhere Konzentrationen des Senföls enthalten. Pro 100 g Trockengewicht enthält Brokkoli 40 bis 170 mg Sulforaphan, Sprossen liefern mit mehr als 1.000 mg circa das Zehnfache. Nahrungsergänzungsmittel erlauben, die Substanz einfach und in definierter Dosis einzunehmen.

Was ist die primäre Funktion von Sulforaphan im Körper?

Sulforaphan unterstützt das antioxidative Potenzial des Organismus. Viele Substanzen, die anti-oxidativ wirken, so wie Vitamin C oder Vitamin E, wirken als Radikalfänger. Sie fangen reaktive Sauerstoffspezies (ROS) ein. Sulforaphan aktiviert andere Systeme, wie das Glutathion, die nachfolgend ROS einfangen. Daher sagen Experten, Sulforaphan wirkt indirekt anti-oxidativ.

Glutathion wirkt anti-oxidativ, erfüllt aber noch eine weitere Rolle. Es unterstützt die Transformation schädlicher Stoffe im Körper. Damit trägt es zur Entgiftung durch die Niere bei. Nicht nur durch die Aktivierung von Glutathion trägt Sulforaphan also zur Entsorgung von unerwünschten und potenziell schädlichen Stoffen bei. Es aktiviert zudem das sogenannte Proteasom.

Das Proteasom ist Teil der Müllabfuhr in den Zellen. Es baut Proteine ab, die fehlerhaft oder nicht funktionsfähig sind. In der Langlebigkeitsforschung gehen Forscher davon aus, dass dieser nicht funktionelle Zellschrott Alterung begünstigt. Die Ansammlung von ausrangierten oder falsch gefalteten Proteinen in der Zelle ist gleichbedeutend mit zellulärer Alterung. Diese geht einher mit erhöhten Entzündungswerten und einem höheren Risiko für chronische Erkrankungen. Durch die Wirkung auf das Proteasom beeinflusst Sulforaphan diese Prozesse. Studien mit Zellkulturen und Nagern zeigen zudem, dass Sulforaphan Sirtuine aktiviert, eine Gruppe von Genen, die Langlebigkeit regulieren.

Welche Vorteile hat die Ergänzung mit Sulforaphan?

In einigen Zellkulturen und Tierversuchen zeigte Sulforaphan anti-karzinogene Wirkung. Sulforaphan hemmte etwa das Wachstum von Brustkrebszellen. In diesem Fall, so vermuteten die Wissenschaftler, durch die Störung der Mikrotubuli, die Krebszellen zur Vermehrung benötigen.

Epidemiologisch ist eine Ernährung, die reich an Kohl ist, mit einem geringeren Risiko für Prostatakrebs assoziiert. Sulforaphan ist ein mechanistischer Erklärungsversuch. In mechanistischen und klinischen Studien mit Menschen reduzierte Sulforaphan die Aktivität sogenannter Histon-Deacetylasen. Diese sind für das Wachstum der Prostatakrebszellen wichtig.

Entzündungsprozesse und oxidative Vorgänge begünstigen die Entstehung von Arterienverkalkung, der umgangssprachlichen Atherosklerose. Gegen diese Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt könnte Sulforaphan vorgehen. Einige Studien zeigen potenzielle Anwendungen von Sulforaphan für anti-oxidatives Potenzial und Entzündungsmarker. Eine Metaanalyse bei Nagern bestätigt, dass Sulforaphan Körpergewicht, Cholesterin und Triglyceride senken kann. Auch Studien zur Sulforaphan-Wirkung gegen Bluthochdruck und Diabetes bei Mäusen bestärken die Annahme, dass die Substanz Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen könnte.

Nicht-funktionelle oder fehl gefaltete Proteine stehen im Zusammenhang mit verschiedenen chronischen Erkrankungen, deren Risiko mit steigendem Alter zunimmt. Sulforaphan aktiviert das Proteasom und fördert den Abbau dieses Zellschrotts. So soll die Substanz zu einer längeren Gesundheitsspanne oder zu einem längeren Leben beitragen. Allerdings sind Versuche in Zellkulturen und mit Tiermodellen nicht ausreichend, um die Wirkung beim Menschen zu belegen. Entsprechend schließen die Autoren einer Zusammenfassung mit der Bemerkung, dass „weitere Interventionsstudien erforderlich sind, um (...) zu fundierteren Schlussfolgerungen zu gelangen.“

Durch Nahrungsergänzungsmittel nehmen Anwender Dosierungen ein, für die sie äquivalent 500-1.000 g Brokkoli verzehren müssen. Oder einige Gramm frisch geerntete Brokkolisprossen. Durch die Unsicherheit bezüglich der Menge an bioaktivem Sulforaphan beim Verzehr von Kohlsorten ist die Supplementierung eine effiziente Form der Einnahme.

Quellen

Weiterführende Informationen sowie Studien über den Wirkstoff Sulforaphan finden Sie hier.

Evaporative light-scattering analysis of sulforaphane in broccoli samples: Quality of broccoli products regarding sulforaphane contents
www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16569031

Sulforaphane Augments Glutathione and Influences Brain Metabolites in Human Subjects: A Clinical Pilot Study
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5981770

Antioxidant Functions of Sulforaphane: a Potent Inducer of Phase II Detoxication Enzymes
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0278691599000824

Sulforaphane protects against oxidative stress‑induced apoptosis via activating SIRT1 in mouse osteoarthritis
www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34184072

Sulforaphane exhibits potent renoprotective effects in preclinical models of kidney diseases: A systematic review and meta-analysis
www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37023957

Accumulation of Sulforaphane and Alliin in Human Prostate Tissue
www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36014767

The Role of Histone Deacetylases in Prostate Cancer
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2683066

Sulforaphane Protects against Cardiovascular Disease via Nrf2 Activation
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4637098

Clinical and molecular evidence of the consumption of broccoli, glucoraphanin and sulforaphane in humans
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4637098