Das GUCY1A3-Gen enthält – wie die meisten Gene – tausende genetische Varianten (SNPs). Die überwiegende Mehrheit dieser Varianten hat jedoch keine bekannte funktionelle Auswirkung auf die Genaktivität oder das daraus gebildete Protein. Die Forschung konzentriert sich daher auf jene Varianten, die biologisch plausibel sind (z. B. in regulatorischen Genabschnitten liegen), in großen populationsbasierten Studien (z. B. GWAS) signifikant mit einem klinischen Merkmal korrelieren,– und repliziert wurden, also in unabhängigen Studien erneut bestätigt werden konnten.
Die Variante rs7692387 (G > A) erfüllt genau diese Kriterien. Sie liegt im Promotorbereich des GUCY1A3-Gens – dem Abschnitt, der die Genaktivität steuert. Studien (Hall et al., European Heart Journal, 2019; Kessler et al., Cardiovascular Research, 2019) zeigen, dass diese Variante die Expression der löslichen Guanylatzyklase beeinflussen kann und dadurch die Reaktion auf Acetylsalicylsäure (ASS) modulieren könnte.
Bislang ist rs7692387 die einzige Variante, deren Zusammenhang mit der ASS-Wirkung wissenschaftlich reproduzierbar nachgewiesen wurde. Daher wird gezielt die GUCY1A3-Genmutation analysiert, die Ihre Reaktion auf Acetylsalicylsäure (ASS) und Ihre kardiovaskuläre Gesundheit beeinflussen kann.
Andere SNPs im GUCY1A3-Gen oder in benachbarten Genen (z. B. GUCY1B3) wurden zwar beschrieben, ihr Einfluss auf die ASS-Wirkung konnte jedoch bislang nicht eindeutig belegt werden.
Das GUCY1A3-Gen kodiert eine Untereinheit der löslichen Guanylatzyklase, eines Enzyms im Stickstoffmonoxid-(NO)-Signalweg, der wesentlich an der Regulation der Gefäßspannung und Thrombozytenfunktion beteiligt ist – also genau in dem Bereich, in dem ASS wirkt.
Studien zeigen, dass diese Variation die individuelle Reaktion auf Acetylsalicylsäure (ASS) beeinflussen kann:
Kathryn T. Hall et al. (2019). Genetic variation at the coronary artery disease risk locus GUCY1A3 modifies cardiovascular disease prevention effects of aspirin. European Heart Journal, 40(41), 3385‑3392.
Thorsten Kessler et al. (2019). Association of the coronary artery disease risk gene GUCY1A3 with ischaemic events after coronary intervention. Cardiovascular Research, 115(10), 1512‑1518.