Protein und gesundes Altern: Warum eine ausreichende Eiweißzufuhr wichtig ist

Autor des Artikels: Roman Kacer Artikel veröffentlicht unter: 27. Aug 2026
Protein und gesundes Altern: Warum eine ausreichende Eiweißzufuhr wichtig ist

Protein gehört zu den am intensivsten untersuchten Nährstoffen der Ernährungswissenschaft. Dennoch hält sich kaum ein Bereich so hartnäckig mit Missverständnissen. Während die einen Eiweiß fast ausschließlich mit Muskelaufbau und Kraftsport verbinden, warnen andere vor einer angeblich schädlichen hohen Proteinzufuhr. Gerade im Zusammenhang mit gesundem Altern entsteht dadurch schnell ein widersprüchliches Bild.

Tatsächlich verändert sich der Proteinbedarf im Laufe des Lebens. Mit zunehmendem Alter fällt es dem Körper schwerer, neue Muskelproteine aufzubauen und bestehende Muskulatur zu erhalten. Gleichzeitig nimmt die Muskelmasse bei vielen Menschen schleichend ab, häufig ohne dass dies zunächst bemerkt wird. Dieser Prozess betrifft jedoch nicht nur Kraft und Mobilität. Er beeinflusst auch Stoffwechsel, Immunsystem, Knochenstabilität und langfristig die Selbstständigkeit im Alter.

Die Forschung der vergangenen Jahre zeigt deshalb immer deutlicher: Eine ausreichende Proteinzufuhr gehört zu den wichtigsten ernährungsbezogenen Faktoren für gesundes Altern. Gleichzeitig kommt es nicht nur auf die Gesamtmenge an. Auch Proteinqualität, Verteilung über den Tag und körperliche Aktivität entscheiden darüber, wie gut der Körper Eiweiß tatsächlich nutzen kann.

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum Protein weit mehr als ein Muskelbaustein ist
  2. Was im Alter mit dem Muskelstoffwechsel passiert
  3. Anabole Resistenz: Warum der Proteinbedarf steigt
  4. Wie Protein den Muskelaufbau steuert
  5. Protein und die Hallmarks of Aging
  6. Wie viel Protein ältere Erwachsene wirklich benötigen
  7. Spielt der Zeitpunkt der Proteinzufuhr eine Rolle?
  8. Tierisches oder pflanzliches Protein?
  9. Können zu große Proteinmengen schaden?
  10. Welche Rolle spielen Proteinpräparate?
  11. Häufige Irrtümer über Protein im Alter
  12. Grenzen der aktuellen Evidenz
  13. Fazit
  14. Quellen

Warum Protein weit mehr als ein Muskelbaustein ist

Proteine gehören zu den wichtigsten Bausteinen des menschlichen Körpers. Sie bestehen aus Aminosäuren, die in nahezu allen Geweben strukturelle und funktionelle Aufgaben übernehmen. Insgesamt sind mehr als 20.000 verschiedene Proteine im menschlichen Organismus bekannt. Sie bilden nicht nur Muskulatur, sondern auch Haut, Bindegewebe, Enzyme, Transportproteine, Antikörper und zahlreiche Hormone.

Darüber hinaus regulieren Proteine eine Vielzahl biologischer Prozesse. Sie steuern Stoffwechselreaktionen, ermöglichen die Kommunikation zwischen Zellen und tragen zur Reparatur geschädigter Gewebe bei. Ohne eine ausreichende Versorgung mit Aminosäuren könnten diese Prozesse nicht dauerhaft aufrechterhalten werden.

Besonders deutlich wird ihre Bedeutung im Muskelgewebe. Die Skelettmuskulatur dient nicht nur der Bewegung, sondern stellt zugleich den größten Proteinspeicher des Körpers dar. Bei längeren Erkrankungen, schwerer Unterernährung oder ausgeprägtem Energiemangel greift der Organismus auf diese Reserven zurück, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten.

Aus Sicht der Longevity-Forschung gewinnt Protein deshalb zunehmend an Bedeutung. Der Erhalt der Muskelmasse beeinflusst nicht nur Mobilität und Lebensqualität, sondern steht auch mit Stoffwechselgesundheit, Insulinsensitivität und dem Risiko altersbedingter Erkrankungen in Zusammenhang.

Was im Alter mit dem Muskelstoffwechsel passiert

Ab dem dritten bis vierten Lebensjahrzehnt beginnt die Muskelmasse langsam abzunehmen. Dieser Prozess verläuft zunächst unauffällig, beschleunigt sich jedoch mit zunehmendem Alter. Wird gleichzeitig wenig Krafttraining durchgeführt oder zu wenig Protein aufgenommen, kann sich der Muskelabbau deutlich verstärken.

Die Folge ist die sogenannte Sarkopenie, ein altersbedingter Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit. Heute gilt sie als eigenständiges geriatrisches Syndrom und zählt zu den wichtigsten Ursachen für Stürze, eingeschränkte Mobilität und Pflegebedürftigkeit im höheren Lebensalter.

Die Ursachen sind vielfältig. Mit zunehmendem Alter verändern sich hormonelle Signalwege, Entzündungsprozesse nehmen leicht zu und die Aktivität der Muskelstammzellen lässt nach. Gleichzeitig reagieren Muskelzellen weniger empfindlich auf Trainingsreize und auf die Aufnahme von Aminosäuren.

Entscheidend ist dabei, dass Muskelkraft häufig schneller abnimmt als die reine Muskelmasse. Bereits relativ kleine Veränderungen der Muskelqualität können die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich beeinflussen. Deshalb rückt in der modernen Alternsforschung nicht allein die Muskelmasse, sondern vor allem der Erhalt einer funktionsfähigen Muskulatur in den Mittelpunkt.

Anabole Resistenz: Warum der Proteinbedarf steigt

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der vergangenen Jahre ist das Konzept der anabolen Resistenz. Darunter versteht man die verminderte Fähigkeit älterer Muskelzellen, auf Protein und körperliches Training mit einer ausreichenden Muskelproteinsynthese zu reagieren.

Bei jüngeren Erwachsenen genügt häufig bereits eine moderate Eiweißzufuhr, um den Muskelaufbau nach einer Mahlzeit anzuregen. Im höheren Alter fällt diese Reaktion deutlich schwächer aus. Um denselben biologischen Effekt zu erreichen, wird häufig eine größere Proteinmenge benötigt.

Ursächlich sind mehrere Veränderungen, die gleichzeitig auftreten. Signalwege innerhalb der Muskelzellen reagieren weniger empfindlich auf Aminosäuren. Auch die Durchblutung der Muskulatur und die Aufnahme einzelner Aminosäuren können eingeschränkt sein. Hinzu kommen hormonelle Veränderungen sowie chronisch niedriggradige Entzündungen, die den Muskelstoffwechsel zusätzlich beeinflussen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die essentielle Aminosäure Leucin. Sie aktiviert den sogenannten mTOR Signalweg, einen wichtigen Regulator der Muskelproteinsynthese. Erst wenn ausreichend Leucin verfügbar ist, wird der Aufbau neuer Muskelproteine wirksam angestoßen.

Anabole Resistenz bedeutet jedoch nicht, dass Muskelaufbau im Alter unmöglich wird. Im Gegenteil: Zahlreiche Studien zeigen, dass sich die verminderte Empfindlichkeit durch eine Kombination aus ausreichend hochwertigem Protein und regelmäßigem Krafttraining zumindest teilweise ausgleichen lässt. Genau deshalb gelten Ernährung und körperliche Aktivität heute als zwei der wichtigsten Maßnahmen, um dem altersbedingten Muskelabbau entgegenzuwirken.

Wie Protein den Muskelaufbau steuert

Der menschliche Körper befindet sich in einem ständigen Umbau. Muskelproteine werden kontinuierlich aufgebaut und wieder abgebaut. Ob die Muskelmasse erhalten bleibt, zunimmt oder abnimmt, hängt davon ab, welche dieser beiden Prozesse überwiegt.

Nach einer proteinreichen Mahlzeit steigt die Konzentration von Aminosäuren im Blut. Diese gelangen in die Muskelzellen und regen dort die Muskelproteinsynthese an. Besonders wichtig ist dabei die essentielle Aminosäure Leucin. Sie aktiviert den mTOR Signalweg, der als zentrale Schaltstelle für den Aufbau neuer Muskelproteine gilt.

Allein durch Protein lässt sich der Muskelaufbau jedoch nur begrenzt stimulieren. Den stärksten Effekt erzielt die Kombination aus einer ausreichenden Eiweißzufuhr und regelmäßigem Krafttraining. Während das Training die Muskulatur für den Aufbau neuer Proteine sensibilisiert, liefert Protein die notwendigen Bausteine für die Reparatur und den Aufbau der Muskelfasern.

Dieser Zusammenhang erklärt auch, warum sich Ernährung und Bewegung nicht unabhängig voneinander betrachten lassen. Eine hohe Proteinzufuhr ohne Trainingsreiz entfaltet deutlich geringere Effekte als die Kombination beider Maßnahmen.

Protein und die Hallmarks of Aging

Protein beeinflusst weit mehr als den Erhalt der Muskulatur. Viele der durch Protein regulierten Prozesse stehen in engem Zusammenhang mit biologischen Mechanismen des Alterns.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der mTOR Signalweg. Er steuert Zellwachstum, Proteinsynthese und zahlreiche Stoffwechselprozesse. Kurzfristig ist seine Aktivierung nach einer proteinreichen Mahlzeit oder nach Krafttraining erwünscht, da sie den Muskelaufbau unterstützt.

Gleichzeitig wird mTOR seit vielen Jahren im Zusammenhang mit der Alternsforschung untersucht. Eine dauerhaft hohe Aktivität dieses Signalwegs könnte bestimmte Alterungsprozesse fördern, während eine zeitweise verringerte Aktivität unter anderem mit Fasten oder Kalorienrestriktion in Verbindung gebracht wird.

Auf den ersten Blick wirkt dies widersprüchlich. Tatsächlich erfüllen beide Zustände unterschiedliche biologische Funktionen. Für den Muskelaufbau ist eine vorübergehende Aktivierung von mTOR notwendig. Für die Zellreinigung durch die Autophagie kann eine zeitweise geringere Aktivität dagegen Vorteile bieten.

Aus heutiger Sicht spricht die Evidenz deshalb nicht dafür, Protein grundsätzlich zu reduzieren. Vielmehr scheint ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ausreichender Muskelproteinsynthese, regelmäßiger Bewegung und normalen Stoffwechselprozessen entscheidend zu sein.

Darüber hinaus beeinflusst eine ausreichende Proteinzufuhr weitere Bereiche, die für gesundes Altern relevant sind. Dazu gehören der Erhalt der mitochondrialen Funktion, die Immunantwort sowie indirekt auch die metabolische Gesundheit, weil Muskelmasse einen wichtigen Beitrag zur Insulinsensitivität leistet.

Wie viel Protein ältere Erwachsene wirklich benötigen

Die offiziellen Zufuhrempfehlungen für Protein liegen für Erwachsene derzeit bei 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Dieser Wert dient jedoch in erster Linie dazu, einen Mangel zu verhindern. Er wurde nicht speziell für gesundes Altern oder den Erhalt der Muskelmasse entwickelt.

In den vergangenen Jahren haben sich deshalb zahlreiche Fachgesellschaften für höhere Proteinzufuhren im Alter ausgesprochen. Die PROT AGE Study Group sowie die European Society for Clinical Nutrition and Metabolism empfehlen für gesunde ältere Erwachsene in der Regel etwa 1,0 bis 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich.

Bei akuten oder chronischen Erkrankungen, nach Operationen oder bei erhöhter körperlicher Aktivität kann der Bedarf sogar auf 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ansteigen. Ziel ist es, den altersbedingt erschwerten Muskelaufbau auszugleichen und dem Verlust an Muskelmasse entgegenzuwirken.

Entscheidend ist dabei nicht allein die Gesamtmenge. Ebenso wichtig ist eine regelmäßige Versorgung über den Tag hinweg.


Für viele ältere Erwachsene dürfte eine Proteinzufuhr oberhalb der klassischen Empfehlung von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht sinnvoll sein. Die optimale Menge hängt jedoch von Alter, Gesundheitszustand und körperlicher Aktivität ab.

Spielt der Zeitpunkt der Proteinzufuhr eine Rolle?

Lange Zeit stand vor allem die tägliche Gesamtmenge an Protein im Mittelpunkt. Inzwischen zeigt die Forschung, dass auch die Verteilung der Proteinzufuhr eine Rolle spielen könnte.

Viele Menschen nehmen morgens nur wenig Protein zu sich, während der größte Anteil erst beim Abendessen verzehrt wird. Dadurch wird die Muskelproteinsynthese möglicherweise nicht optimal angeregt.

Mehrere Interventionsstudien deuten darauf hin, dass eine gleichmäßigere Verteilung über drei Hauptmahlzeiten Vorteile bieten könnte. Besonders nach Krafttraining reagiert die Muskulatur für mehrere Stunden empfindlicher auf Aminosäuren. Eine proteinreiche Mahlzeit in diesem Zeitraum unterstützt deshalb den Muskelaufbau besonders effektiv.

Die Unterschiede fallen jedoch kleiner aus als häufig angenommen. Für die meisten Menschen bleibt die tägliche Gesamtproteinzufuhr der wichtigste Einflussfaktor. Erst wenn diese ausreichend hoch ist, gewinnt auch die zeitliche Verteilung an Bedeutung.

Tierisches oder pflanzliches Protein?

Ob tierische oder pflanzliche Proteinquellen die bessere Wahl sind, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Aus wissenschaftlicher Sicht fällt die Antwort differenzierter aus, als häufig angenommen.

Entscheidend ist zunächst die Proteinqualität. Sie beschreibt unter anderem, wie gut ein Nahrungsprotein verdaut werden kann und in welchem Verhältnis die enthaltenen essentiellen Aminosäuren dem menschlichen Bedarf entsprechen.

Tierische Lebensmittel wie Milchprodukte, Eier, Fisch oder mageres Fleisch enthalten in der Regel alle essentiellen Aminosäuren in ausreichender Menge. Zudem weisen sie häufig einen höheren Leucingehalt auf, wodurch sie die Muskelproteinsynthese besonders effektiv anregen können.

Pflanzliche Proteinquellen unterscheiden sich stärker in ihrer Aminosäurezusammensetzung. Hülsenfrüchte enthalten beispielsweise vergleichsweise wenig Methionin, während Getreide oft weniger Lysin liefert. Durch eine abwechslungsreiche Ernährung lassen sich diese Unterschiede jedoch gut ausgleichen. Kombinationen aus Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen können eine hohe Proteinqualität erreichen.

Auch die Verdaulichkeit spielt eine Rolle. Pflanzliche Lebensmittel enthalten teilweise Ballaststoffe und sogenannte antinutritive Substanzen, die die Aufnahme einzelner Aminosäuren leicht verringern können. Dieser Unterschied fällt im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung jedoch meist geringer aus als lange angenommen.

Für gesundes Altern spricht die aktuelle Evidenz weder für eine ausschließlich tierische noch für eine ausschließlich pflanzliche Ernährung. Entscheidend ist, dass ausreichend hochwertiges Protein aufgenommen wird. Eine abwechslungsreiche Mischkost oder eine gut geplante pflanzenbetonte Ernährung kann dieses Ziel gleichermaßen erreichen.

Können zu große Proteinmengen schaden?

Kaum ein Ernährungsthema wird so kontrovers diskutiert wie die Frage nach möglichen Risiken einer hohen Proteinzufuhr. Besonders häufig wird behauptet, größere Eiweißmengen würden die Nieren belasten oder den Alterungsprozess beschleunigen.

Für gesunde Menschen stützen hochwertige Studien diese Annahmen bislang jedoch nicht. Mehrere systematische Reviews und Meta Analysen zeigen, dass eine erhöhte Proteinzufuhr bei gesunder Nierenfunktion keine Hinweise auf eine Verschlechterung der Nierenleistung liefert.

Anders sieht die Situation bei bereits bestehenden Nierenerkrankungen aus. In diesen Fällen kann eine reduzierte Proteinzufuhr sinnvoll sein und sollte ärztlich begleitet werden. Allgemeine Empfehlungen für gesunde Erwachsene lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.

Auch der Zusammenhang zwischen Protein, mTOR und Altern wird häufig verkürzt dargestellt. Zwar aktiviert insbesondere Leucin den mTOR Signalweg. Daraus folgt jedoch nicht, dass eine proteinreiche Ernährung den Alterungsprozess automatisch beschleunigt. Die Aktivierung erfolgt nach Mahlzeiten nur vorübergehend und ist für den Erhalt der Muskulatur sogar notwendig.

Die derzeitige Studienlage spricht deshalb eher dafür, dass eine zu geringe Proteinzufuhr im Alter das größere gesundheitliche Risiko darstellt als eine moderat erhöhte Aufnahme.

Welche Rolle spielen Proteinpräparate?

Proteinpulver gehören inzwischen zu den am häufigsten verwendeten Nahrungsergänzungsmitteln. Ihr Nutzen wird jedoch häufig überschätzt.

Grundsätzlich lässt sich der tägliche Proteinbedarf auch über gewöhnliche Lebensmittel decken. Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Eier, Fisch, Fleisch, Sojaprodukte oder proteinreiche Getreide liefern hochwertige Aminosäuren und gleichzeitig zahlreiche weitere Nährstoffe.

Proteinpräparate können dennoch sinnvoll sein, wenn der Bedarf über die normale Ernährung nur schwer erreicht wird. Das betrifft beispielsweise ältere Menschen mit geringem Appetit, Personen während einer Rehabilitation oder Menschen mit einem deutlich erhöhten Proteinbedarf durch intensives Krafttraining.

Besonders gut untersucht ist Molkenprotein, auch Whey Protein genannt. Es zeichnet sich durch eine hohe biologische Wertigkeit, eine gute Verdaulichkeit und einen hohen Leucingehalt aus. Mehrere Interventionsstudien zeigen, dass Whey Protein in Kombination mit Krafttraining den Muskelaufbau und den Erhalt der Muskelmasse unterstützen kann.

Auch pflanzliche Proteinmischungen aus Erbsen, Soja oder Reis können eine geeignete Alternative darstellen, sofern sie ausreichend essentielle Aminosäuren enthalten.

Entscheidend bleibt jedoch: Proteinpräparate ersetzen keine ausgewogene Ernährung. Sie können bestehende Ernährungslücken schließen, bieten gegenüber einer bereits proteinreichen Ernährung aber meist keinen zusätzlichen Vorteil.

Häufige Irrtümer über Protein im Alter

Rund um Protein kursieren zahlreiche Missverständnisse, die sich wissenschaftlich nicht bestätigen lassen.

"Ältere Menschen benötigen weniger Protein."

Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Aufgrund der anabolen Resistenz steigt der Proteinbedarf im Alter häufig an.

"Nur Kraftsportler müssen auf ihre Proteinzufuhr achten."

Auch Menschen ohne sportliche Ambitionen profitieren von einer ausreichenden Eiweißversorgung, da sie zum Erhalt von Muskelmasse, Mobilität und Selbstständigkeit beiträgt.

"Pflanzliches Protein ist grundsätzlich minderwertig."

Pflanzliche Proteinquellen unterscheiden sich zwar in ihrer Aminosäurezusammensetzung, können bei einer abwechslungsreichen Ernährung jedoch problemlos den Proteinbedarf decken.

"Je mehr Protein, desto besser."

Oberhalb eines bestimmten Bereichs steigt die Muskelproteinsynthese nach einer einzelnen Mahlzeit kaum noch weiter an. Entscheidend sind eine bedarfsgerechte Gesamtzufuhr, hochwertige Proteinquellen und regelmäßige körperliche Aktivität.

Grenzen der aktuellen Evidenz

Protein gehört zu den am besten untersuchten Nährstoffen der Ernährungswissenschaft. Dennoch bleiben einige Fragen offen. Insbesondere die optimale Proteinzufuhr für gesundes Altern wird weiterhin kontrovers diskutiert.

Ein Grund dafür ist die unterschiedliche Studienlage. Während kontrollierte Interventionsstudien häufig Verbesserungen der Muskelproteinsynthese oder Muskelkraft untersuchen, betrachten große Beobachtungsstudien meist langfristige Zusammenhänge zwischen Proteinzufuhr und Gesundheit. Beide Studiendesigns beantworten unterschiedliche Fragestellungen und lassen sich nur eingeschränkt miteinander vergleichen.

Hinzu kommt, dass ältere Erwachsene keine einheitliche Bevölkerungsgruppe darstellen. Gesundheitszustand, körperliche Aktivität, Medikamenteneinnahme und bestehende Erkrankungen unterscheiden sich erheblich. Dadurch kann die individuell optimale Proteinzufuhr deutlich variieren.

Auch die Diskussion um tierisches und pflanzliches Protein ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Zwar unterscheiden sich einzelne Proteinquellen hinsichtlich ihrer Aminosäurezusammensetzung und ihrer biologischen Wertigkeit. Langfristige Studien deuten jedoch darauf hin, dass insgesamt die ausreichende Proteinzufuhr wichtiger ist als die ausschließliche Wahl einer bestimmten Proteinquelle.

Darüber hinaus konzentriert sich ein großer Teil der bisherigen Forschung auf Muskelmasse und Muskelkraft. Ob eine höhere Proteinzufuhr darüber hinaus die gesunde Lebenserwartung oder biologische Alterungsprozesse direkt beeinflusst, lässt sich derzeit nicht sicher beantworten.

Fazit

Protein ist weit mehr als ein Nährstoff für Sportler. Es bildet die Grundlage für Muskulatur, Enzyme, Hormone und zahlreiche weitere Strukturen des Körpers. Mit zunehmendem Alter gewinnt eine ausreichende Eiweißzufuhr zusätzlich an Bedeutung, da der Muskelstoffwechsel weniger empfindlich auf Protein reagiert und der altersbedingte Muskelabbau fortschreiten kann.

Die aktuelle Evidenz spricht dafür, dass ältere Erwachsene häufig von einer höheren Proteinzufuhr profitieren, als die klassischen Zufuhrempfehlungen vermuten lassen. Besonders in Kombination mit regelmäßigem Krafttraining trägt eine ausreichende Versorgung dazu bei, Muskelmasse, Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten.

Gleichzeitig kommt es nicht nur auf die Gesamtmenge an. Hochwertige Proteinquellen, eine sinnvolle Verteilung über den Tag und regelmäßige körperliche Aktivität bestimmen gemeinsam, wie effektiv der Körper die aufgenommenen Aminosäuren nutzen kann.

Aus Sicht der Longevity-Forschung gehört der Erhalt einer funktionellen Muskulatur zu den wichtigsten Voraussetzungen für gesundes Altern. Eine bedarfsgerechte Proteinzufuhr ist deshalb keine kurzfristige Ernährungsstrategie, sondern ein zentraler Baustein langfristiger Gesundheit.

Quellen

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Autor des Artikels: Roman Kacer Artikel veröffentlicht unter: 27. Aug 2026